Häs
Unsere Häs stellen sich vor
Unsere Häs – Geschichte zum Anfassen
Was unsere Zunft besonders macht? Jede unserer drei Brauchtumsfiguren erzählt eine echte Renninger Geschichte. Keine erfundenen Fantasiegestalten – sondern Hofnarren, Geister und Bauernrichter, die einmal wirklich Teil unserer Heimat waren.
Tauche ein in über 1.000 Jahre lokale Geschichte – verewigt in unseren Häs. 👇
🃏 Schenderklenga-Narra
Der freche Hofnarr von der alten Burg.
Die Geschichte dahinter
Hoch über Renningen, auf der Schinderklinge – im Schwäbischen liebevoll „Schenderklenga“ genannt – stand einst eine von vier historisch nachgewiesenen Burgen unserer Gemarkung. Erbaut wurde sie im 9. Jahrhundert. Im Jahr 1362 verkaufte ihr Besitzer sie zur öffentlichen Bewirtschaftung – vermutlich aus purer Geldnot. Dokumentiert ist dieser Verkauf bis heute im Landesarchiv Baden-Württemberg. Wer aufmerksam durch die Landschaft wandert, kann sogar noch den alten Burggraben entdecken. Auf solchen Burgen lebten damals nicht nur Ritter zum Schutz der Herrschaft – sondern auch Hofnarren. Ihre Aufgabe: das Volk und die Burgherren zu erheitern. Und sie waren die Einzigen, denen keine Strafe drohte, wenn sie ihre Späße auf Kosten der Mächtigen trieben. Eine Sonderstellung, um die man sie heimlich beneidete.
Genau diesen schelmischen Geist tragen wir mit unserem Schenderklenga-Narr in die heutige Fasnet weiter.
Das Häs im Detail
Robuster Baumwollstoff, klare Farben, viele Schellen – jedes Element erzählt seine eigene Geschichte:
🎭 Maske: Freundlich-schelmisches Lachen, bedeckt mit schwarzer Haube. Zwei gelbe Hörner rahmen den Kopf und enden in schellenbesetzten Spitzen. 👕 Hemd: Weiß mit großen Puffärmeln, ab den Schultern rotgeflammt und gelb-schwarz abgesteppt. 🦺 Weste: Ärmel- und kragenlos, mit 8 gelben Spitzen, die in Schellen enden. Auf dem Rücken: unser gesticktes Vereinswappen. 👖 Hose: Karottenförmiger Schnitt – ein Bein schwarz, eines gelb. 🪙 Kragen: Neunspitzig, gelb-schwarz abgesteppt, mit Schellen an jeder Spitze. 🥾 Accessoires: Schwarze Schnürstiefel, schwarze Handschuhe, hoher schwarzer Gürtel mit Goldschließe – und natürlich die Marotte, der traditionelle Narrenstab.
Heute bei uns
Wenn unsere Schenderklenga-Narren über die Straße ziehen, hört man sie schon von Weitem: das vielstimmige Klingen der Schellen ist ihr Markenzeichen. 🔔 Sie verkörpern das, was Fasnet im Kern ausmacht – Frechheit, Lebensfreude und die Lizenz zum Lachen.
👻 Schenderwald-Goischter
Die Schatzwächter aus der Renninger Sage.
Die Legende
Tief im Schenderwald, unter den Mauern der zerfallenen Burg auf der Schinderklinge, soll ein Schatz verborgen sein – so erzählt es eine alte Renninger Sage.
Der einstige Burgherr, ein gewiefter Betrüger, hatte seine Untergebenen beim Kartenspiel mithilfe eines Spiegels um ihr Geld gebracht. So häufte er ein riesiges Vermögen an und vergrub es heimlich unter seinem Burggewölbe. Als die Burg verfiel, versuchten viele, den Schatz zu heben. Doch die Bedingungen waren streng: Eine Jungfrau musste anwesend sein – und es durfte kein einziges Wort gesprochen werden. Man munkelte zudem, der alte Burgherr spuke noch immer dort unten als Geist.
Einigen Unerschrockenen gelang es tatsächlich, das Gewölbe zu finden. Sie staunten: Der alte Burgsaal lag vor ihnen, wie eben erst verlassen. Sogar der verfluchte Spiegel hing noch an der Wand.
Doch dann geschah es: Der Jungfrau entschlüpfte ein leises Niesen – und ein furchtbarer Spuk brach los. Als man die Schatzsucher Tage später im Wald fand, waren sie leblos und stumm. Innerhalb einer Woche waren alle tot.
Die Legende sagt: Die Geister, die den Schatz bewachten, hatten sie zu Tode erschreckt. Und alle, die danach noch versuchten, den Schatz zu heben, sterben am Schrecken – und müssen seither selbst mit Wache halten.
Heute bei uns
In Erinnerung an diese düster-faszinierende Sage entstand unser Schenderwald-Goischt – die geheimnisvollste Figur unserer Zunft. Wenn er bei Umzügen und Abendveranstaltungen auftritt, bringt er ein Stück Renninger Mystik mit auf die Straße. 🌲
Tipp: Schau ihm besser nicht zu lange in die Augen… 👀
🍐 Biera-Richter
Der Bauernrichter mit dem Faible für Wildbirnen.
Die Geschichte dahinter
Im alten Renningen – und auch im Nachbarort Malmsheim – gab es neben dem offiziellen Dorfgericht noch ein zweites, sehr besonderes Gericht: das Büren- oder Birengericht. Es war herrschaftsunabhängig, also frei von Adel und Obrigkeit, und wurde von den Bauern selbst getragen.
Sein Tagungsrhythmus folgte dem Sommer: Vom 25. Juli (Jacobi) bis zum 29. September kam es jeden Sonntag nach dem Gottesdienst zusammen. Am Jacobi-Tag wählten die Bauern jährlich ihren Bürenschultheiss – auch „Birarichtr“ genannt – der feierlich geloben musste, die Rechte und Gebräuche des Ortes zu wahren.
Seine Aufgaben klingen heute fast schon poetisch: 🌾 die Weidennutzung auf den abgeernteten Feldern regeln 🌿 die Weidennutzung auf den abgeheuten Wiesen organisieren 🍐 das auf den Feldern gereifte Wildobst gerecht verteilen
Und genau hier liegt der Ursprung des Namens: „Bira“ leitet sich von den Birnen ab – denn die Ernte der Wildobstbäume gehörte zum Kernauftrag dieses ungewöhnlichen Gerichts.
Das Häs im Detail
Unser Biera-Richter trägt eine authentische bäuerliche Tracht – mit Materialien, die direkt aus der Zeit zu stammen scheinen:
🎭 Maske: Gebräuntes, würdevolles Gesicht mit roten Wangen, geschnitzten Ohren und tiefen Falten. Ein Bauernrichter, dem man seinen Stand auf den ersten Blick ansieht. 🎩 Kopfbedeckung: Grauer Wollhut mit hellem Strick als Hutband. Lange graue Haarsträhnen fallen am Hinterkopf auf das dunkelgraue Maskentuch. 👕 Hemd: Naturfarben – aus echtem alten Sackleinen gefertigt. Am rechten Ärmel ist sogar noch die Originalbeschriftung des Getreidesackes sichtbar, aus dem das Hemd genäht wurde. Geschichte zum Anfassen, im wahrsten Sinne! 🧥 Jacke: Dunkler Wollstoff mit Silberknöpfen, rechts eine Tasche mit handbemaltem Abnäher. 👖 Hose: Heller, dichter Wollstoff, leicht zusammengezogen an den Beinen, mit hohem Bund und verdeckter Knopfleiste. 🥾 Accessoires: Braune feste Schnürstiefel und braune Handschuhe – wie für einen langen Sommertag auf den Feldern gemacht.
Heute bei uns
Der Biera-Richter ist unsere Einzelfigur – ein würdevoller, ruhiger Gegenpart zum frechen Schenderklenga und zum mystischen Schenderwald-Goischt. Er erinnert uns daran, dass Fasnet nicht nur Lärm und Spaß ist, sondern auch gelebte Geschichte. 🌾
Lust, unsere Häs aus der Nähe zu erleben?
Bei unseren Umzügen, Rathausstürmen und Abendveranstaltungen kannst du alle drei Brauchtumsfiguren live erleben. Oder du kommst zu einem unserer monatlichen Stammtische – und lernst uns ganz persönlich kennen.

